Haus

Volle Kraft voraus!

Das Linzer Theater des Kindes bietet seit Jahrzehnten große Kunst für junge Leute. Und übt sich zugleich in der Kunst des Überlebens. Immerhin gilt es, sich gegen eine zunehmend starke Konkurrenz von digitalen Unterhaltungs- und Vermittlungsformaten zu behaupten. Das Handy hält inzwischen auch in den Kindergärten Einzug, die Auseinandersetzung über das Einhalten medienfreier Zeiten ist für Eltern von Kindern im Volksschulalter Dauerthema. Abgesehen davon wurde dem Theater angesichts des allmächtigen Internets mit Social Media und Streaming bereits mehr als einmal eine düstere Zukunft prophezeit.

© Maximilian Staflinger (2026)

Dennoch offeriert das Haus in der Langgasse 13 nach wie vor höchst erfolgreich analoge Angebote. Es lädt ein zu direkt erlebbaren Erfahrungen und einem facettenreichen Austausch zwischen beeindruckenden, komischen, berührenden Bühnenfiguren und einem aufgeregten, erwartungsvollen, beglückten Publikum. Es ermöglicht das Erobern und Begreifen unserer Welt, indem es die Komplexität des Lebens mit Elan und Feingefühl in kindgerechte Geschichten und Ausdrucksweisen transformiert.

Mit seinem speziellen Mix aus herzerfrischender Darstellungslaune, verblüffenden Bühnenbildern, bezaubernden Kostümen und begeisternder Musik hat das Theater-Team die kleinen und auch großen Fans nach der erdrückenden Corona-Flaute auf bewundernswerte Weise zurückerobert. Wer online Karten bestellen will, stößt häufig auf den Schriftzug „ausverkauft“.

„Gutes Theater muss Kinder berühren und fordern“, stellt Intendant Andreas Baumgartner in einem Interview fest. Ihm ist wichtig, „dass die Kinder angeregt werden, die Realität zu hinterfragen.“ Ein abwechslungsreicher Spielplan eröffnet für die kleinen Gäste Aufmerksamkeits- und Erkundungsräume, die ihre Fantasie beflügeln und ihr Wahrnehmen, Denken und Empfinden schärfen.

„Spannend ab der ersten Minute, lustig, clever, liebevoll, einfach wunderbar.“ „Kindertheater, wie es sein soll: spannend, witzig, unterhaltsam. Perfekt!“ „Bilderstarkes, packendes Theatererlebnis.“

Die von der Kritik vielfach bestätigte Bühnenkunst auf anhaltend hohem Niveau gelingt mit ungebremster Spielfreude, unermüdlicher Entdeckungslust und einem bewährten Team, das vor und hinter dem Vorhang überaus motiviert und verlässlich agiert.

Langjährige Zugehörigkeit und kontinuierliche Weiterentwicklung sorgen für Unverwechselbarkeit und Identität. Die Leute vom Theater des Kindes prägen das kulturelle Leben der Stadt und gelten auch außerhalb der oberösterreichischen Landesgrenzen als unverzichtbare Impulsgeber:innen.

Was sich bei den vier Neuproduktionen pro Jahr so einfallsreich, clever und humorvoll vermittelt, war und ist oft mit großen budgetären Sorgen und finanziellen Engpässen verbunden. Wegen angekündigter Kürzungen von Landesförderungen sah Baumgartner das Haus schon bei der Aktion „#kulturlandretten“ im Jahr 2017 in seiner Existenz bedroht. Gegenwärtig ist fraglich, wie der Betrieb bei den extremen Teuerungen in seiner jetzigen Form aufrechterhalten werden kann.

Gäbe es einen Preis für Resilienz, wäre die Bühne im Kinderkulturzentrum Kuddelmuddel wohl ein erster Kandidat. Weil sie sich an einen Spruch der Kinderbuchlegende Janosch hält: „Im Leben geht es vor allem darum, dass man bei Windstärke eins nicht gleich umfällt.“

Das Theater des Kindes hat schon weitaus heftigere Böen überstanden. Diese Erfahrung haben auch der Tiger und der Bär in der einst großartig inszenierten und wunderbar gespielten Suche nach dem ach so schönen Panama gemacht. Für den aufkommenden Wind hatten sie auf ihrem wackeligen Schiff nur eine Antwort: Volle Kraft voraus.